Diabetes mellitus
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Allgemeines
Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Charakteristische Merkmale sind die Erhöhung des Blutzuckergehaltes (Hyperglykämie) und die Ausscheidung von Harnzucker (Glucosurie).
Bereits den alten Ägyptern waren die Symptome des Diabetes mellitus bekannt, dies belegen Schriften aus dem Jahr 1500 vor Christus. Heute bezeichnen viele Gesundheitsexperten Diabetes mellitus als die „Krankheit der Zukunft“. Während 1985 weltweit 30 Millionen Menschen betroffen waren, sind es heute bereits 194 Millionen. Allein in Deutschland gibt es etwa 6 bis 8 Millionen Diabetiker – Tendenz steigend. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass die Zahl der Diabetiker bis zum Jahr 2025 weltweit auf über 333 Millionen ansteigen wird.
Die Verbreitung von Diabetes ist inzwischen so stark, dass die Krankheit auch als Pandemie angesehen werden kann. Zwischen den verschiedenen Formen des Diabetes, Typ 1 und Typ 2 Diabetes, Gestationsdiabetes u.a. ist der Typ 2 Diabetes mit ca. 90% der Häufigste. Die große Verbreitung des Typ 2 Diabetes wird vor allem der falschen Ernährung, der Fettleibigkeit und dem Mangel an Bewegung innerhalb der Bevölkerung zugeschrieben.
Was passiert bei Diabetes mellitus?
Charakteristisch für Diabetes mellitus ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie). Bei Nicht-Diabetikern sorgt das körpereigene Hormon Insulin dafür, dass der aus der Nahrung gewonnene Zucker (Glucose) in die Körperzellen gelangt und dort in lebensnotwendige Energie umgewandelt wird. Dadurch liegt der Blutzuckerspiegel zwischen 80 und 120 mg/dl (4,4 und 6,6 mmol/l), bzw. nach dem Essen auch bis zu 140 mg/dl (7,7 mmol/l). Bei Diabetikern hingegen bleibt der Blutzuckerspiegel infolge eines Insulinmangels bzw. einer mangelnden Wirkung des vorhandenen Insulins erhöht. Experten sprechen auch von einem Zuckerstau im Blut, der mit einer Unterversorgung der Zellen einhergeht. Die Folge: Dem Körper wird nicht ausreichend Energie zugeführt. Die Betroffenen fühlen sich müde und hungrig. Der überschüssige Zucker wird mit dem Harn ausgeschieden (Glucosurie). Daher auch der Name Diabetes mellitus – „der honigsüße Durchfluss“.
Wie erfolgt die Diagnose des Diabetes mellitus?
Neben den klassischen Symptomen des Diabetes (vermehrte Harnbildung, ungewöhnlicher Durst, unerklärlicher Gewichtsverlust, Müdigkeit etc.) werden zur Diagnose die Blutzuckerwerte (mit Blut aus der Vene) gemessen. Von einem Diabetes mellitus spricht man, wenn wiederholte Blutzuckermessungen folgende Werte ergeben:
- Nüchtern-Plasmaglukose über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) nach 8 Stunden fasten.
- Plasmaglukose von über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zu einem beliebigen Zeitpunkt.
- Plasmaglukose von über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zwei Stunden nach einem Glukosetoleranztest.
Diabetes Screening
Die Bestimmung des Nüchternblutzuckers wird von der Deutschen Diabetes Gesellschaft für alle Personen, die älter als 45 Jahre sind, im Abstand von 3 Jahren empfohlen. Bei jüngeren Personen sollte der Blutzucker kontrolliert werden, wenn folgende Risikofaktoren vorliegen:
- Übergewicht (BMI ≥ 27 kg/m2)
- Diabetesdiagnose bei Verwandtschaft ersten Grades
- Gestationsdiabetes
- Bluthochdruck (≥ 170/90 mm Hg)
- Fettstoffwechselstörung
- Einweißausscheidung im Urin
- Herzgefäßerkrankungen
Was versteht man unter Typ 1 Diabetes?
Typ 1 Diabetes
- ca. 10% aller Diabetiker
- Diagnose meist vor dem 35. Lebensjahr
- Plötzlicher akuter Krankheitsausbruch
- Absoluter Insulinmangel durch Zerstörung der ß-Zellen
- Ursache: Autoimmunerkrankung
- Therapie: Insulingabe mit Insulinpen oder Insulinpumpe
Der Typ 1 Diabetes tritt bevorzugt vor dem 35. Lebensjahr auf, aber auch ältere Erwachsene können an Typ 1 Diabetes erkranken. In der Regel beginnt der Typ 1 Diabetes abrupt, mit plötzlich einsetzenden Symptomen und Beschwerden wie vermehrter Harnbildung, ungewöhnlicher Durst, unerklärlicher Gewichtsverlust und Müdigkeit.
Der Entstehung dieser Diabetesform liegt eine Fehlsteuerung des Immunsystems (Autoimmunerkrankung) zugrunde. Die insulinproduzierenden Zellen (ß-Zellen) der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) werden durch körpereigene Abwehrstoffe des Immunsystems zerstört. Der Körper ist somit nicht mehr in der Lage, das von den Zellen dringend benötigte Insulin zu produzieren. Es besteht mit Ausnahme der ersten Wochen bis Monate nach der Manifestation (Remissionsphase) ein absoluter Insulinmangel. Die Therapie erfolgt über die Insulinbehandlung. Diese stellt eine lebensnotwendige Hormonersatztherapie dar, die lebenslang durchgeführt werden muss.
Was versteht man unter Typ 2 Diabetes?
Typ 2 Diabetes
- ca. 90% aller Diabetiker
- Diagnose häufig im mittleren bis hohem Erwachsenenalter
- Langsame, schleichende Krankheitsentwicklung
- Häufig unentdeckt
- Anfänglich verminderte Insulinempfindlichkeit, später zusätzlich gestörte Insulinbildung
- Ursache: Übergewicht, Bewegungsmangel, genetische Faktoren
- Therapie: Gewichtsabnahme, Bewegungsaktivierung, Blutzuckersenkende Medikamente, Insulin.
- Tritt häufig in Verbindung mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht auf.
Der Typ 2 Diabetes tritt vorwiegend im mittleren bis hohem Erwachsenenalter auf. Immer häufiger entwickeln jedoch auch übergewichtige Jugendliche und junge Erwachsene diese Form des Diabetes. Der Typ 2 Diabetes ist eine Kombination aus verminderter Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz) und einer gestörten Insulinbildung. Der Blutzucker kann daher nur in unzureichendem Maß aus dem Blut in die Zellen transportiert werden.
Der Typ 2 Diabetes führt selten zu schweren Stoffwechselentgleisungen, dafür aber häufig zu schweren Folgeerkrankungen. Bei der Entstehung des Typ 2 Diabetes spielen neben genetischen Faktoren insbesondere Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel eine wichtige Rolle. Das Risiko für eine Entwicklung des Typ 2 Diabetes steigt mit diesen Faktoren um das 5- bis 10-fache an. So können beispielsweise bei Übergewicht die Körperzellen gegen das Insulin resistent werden.
Als Therapie wird den Betroffenen in erster Linie eine Ernährungsumstellung zur Gewichtsreduktion und eine Bewegungsaktivierung empfohlen. Gerade in der Frühphase des Typ 2 Diabetes können diese Maßnahmen bereits genügen, um normale Blutzuckerwerte zu erzielen. Werden jedoch keine zufriedenstellenden Blutzuckerwerte erreicht, erfolgt eine Therapie mit blutzuckersenkenden Medikamenten (orale Antidiabetika) oder Insulin.
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